Singakademie Dresden

Mächtiges Tosen und Brodeln

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Dresdens Singakademie erinnert beseelt an ein historisches Musikereignis

Jens-Uwe Sommerschuh / Sächsische Zeitung, 23.06.2009,  23.06.2009

Als 1849 Deutschland Goethes 100. Geburtstag feierte, wurde Dresdens Palais im Großen Garten Schauplatz eines denkwürdigen Konzerts von Hofkapelle, Chorgesangverein und Dreyßig'scher Singakademie. Hofkapellmeister Reißiger dirigierte "Die erste Walpurgisnacht" von Mendelssohn, im Anschluss leitete Robert Schumann persönlich seine "Faust-Szenen III".Überliefert ist, dass das Konzert in ein spektakuläres Fest eingebettet war, bei dem "an verschiedenen Punkten des Gartens gesungen, musiziert und jubiliert" wurde. An dieses Ereignis hat nun Ekkehard Klemm an gleicher Stelle mit seiner Singakademie erinnert. Statt der Hofkapelle musizierte diesmal das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau und ließ es vor allem in der Walpurgisnacht mächtig tosen und brodeln. Dazu spukte der Chor aus über 80 Kehlen: "Kommt mit Zacken und mit Gabeln, wie der Teufel, den sie fabeln ... Kauz und Eule, heul in unser Rundgeheule!" Ein Mendelssohn mit Witz und Wucht, und diese eher untypischen Stärken lagen in tüchtigen Händen.Sonorer Druide, kluger FaustSchumanns Vertonung von "Fausts Verklärung" bis hin zum "Ewig-Weiblichen" ist subtiler, der musikalische Zugriff hintergründiger. Die Interpretation der hier um Stimmen aus ihrem Kinderchor ergänzten Singakademie lebte von einer vitalen Gestaltungsfreude, die von ambitionierten Laien erwartet werden kann, aber auch von einer Differenzierungskunst, die sich so fein schattiert nicht in zwei, drei Proben erwerben lässt. Schwellende Düsternis wechselte mit angstvollem Bangen, das Aufflammen von Zuversicht flackerte hitzig hin zum eher verhaltenen Ausklang der Schumann'schen Zweitfassung. Beseeltes Singen aus heißen, wissenden Herzen.Auch die sieben Solisten hatten soliden Anteil an der Aufbruchstimmung im Dämmerlicht, die sich der Goethe kaum suggestiver hätte wünschen können. Herausragend Bariton Johannes Wollrab, der schon als sonor raunender Druide bei Mendelssohn aufhorchen ließ und als Doctor Marianus alias Faust seine tragende Rolle mit intelligent gezügelter Kraft nuancenreich aussang. Ein gelungenes Erinnerungskonzert, das langen Beifall fand.