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Singakademie Dresden |
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Brahms und Schönberg... |
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Jubiläumskonzert der Singakademie DresdenMareile Hanns / Dresdner Neueste Nachrichten, 12.10.2009, 22.10.2009
Die erste Szene aus Schönbergs "Moses und Aron" und "A Survivor from Warsaw"gehören normalerweise nicht ins Repertoire eines Laienchores. Die Singakademie und ihre Gäste folgten ihrem Chef bei dieser Programmwahl willig auf seinem Weg, musikalisch hervorragend, bestaunenswert ausdrucksstark, ohne jegliche Ermüdungserscheinung.
In dem wirklich lesenswerten Programmheft legte Ekkehard Klemm seine konzeptionellen Gedanken zum Konzert dar, zum Entstehen und Überleben des Gottesgedanken, zu Glaubenstreue in schweren Zeiten, zur Verbindung von jüdischem und christlichem Gedankengut. Viel davon fand sich in der Aufführung wieder. Aus einer einzigen Zwölftonreihe entwickelte Arnold Schönberg die Musik seiner unvollendet gebliebenen Oper "Moses und Aron". In der ersten, kantatenartigen Szene geht es um die Aussendung Moses', das Volk Israel aus seiner Versklavung zu befreien (Stimme aus dem Dornbusch) und um Moses' Zweifel, diese Mission erfüllen zu können.
Die Singakademie und eingegliederte Solisten war hier mit Vokalensemble und Sprechchor eine heikle Aufgabe übertragen worden, die sie mit Intensität und Prägnanz (wobei ein bisschen mehr Textverständlichkeit nicht schlecht gewesen wäre) bewältigten. Der Moses selbst ist eine Sprechrolle mit genau vorgegebenen Artikulationswerten und -höhen. Olaf Bär bot dabei eine ganz eindringliche, punktgenau ausgelotete Leistung, die keine Wünsche offen ließ, höchst differenziert in Stimmführung und Ausdruck.
Die Zusammenarbeit mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden im Brahms-Requiem hat bei der Singakademie eine gute Tradition. Und auch diesmal war sie Garant für eine orchestral farbige, in sich stimmige Orchesterleistung, sehr engagiert und delikat ausgeformt, selbstverständlich mit Vertretern der 1. Pulte ausgestattet. Und so waren speziell die Schönberg-Teile in allerbesten Händen.
Energisch und mit sehr realistischem, "unromantischem" Ausdruck (die Ausführenden blieben in ihrer Gestaltung sehr erd- undmenschenverbunden) kam dann "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms zu Gehör. Diese sehr heutige Aufführung der Singakademie wäre ohne Schönberg nicht denkbar gewesen. Licht und mit überlegener Ruhe erklangen die ersten "Seligpreisungen", lieblich- verhalten und doch nicht säuselnd "Wie lieblich sind deine Wohnungen". Auf bewundernswerte Weise gelang es Ekkehard Klemm, aus dem Riesenchor einen geschmeidigen, nuancenreichen Klang herauszuholen, ebenso wie verblüffende Ausdrucksakzente. Mit so eherner, unverstellter Brisanz hat man den Ausruf "Aber des Herrn Wort" im 2. Satz selten gehört. Souverän meisterte der Chor die Fugen. Auf sehr respektablem, ausbaufähigem Niveau bewegten sich beide Solisten - markant und klangintensiv der Bariton Johannes Wollrab und die mit leuchtkräftigem Sopran ausgestattete Anja Zügner.
Nach dem mit aller Überzeugungskraft gestalteten 6.Satz (prachtvoll "Denn es wird die Posaune schallen") gab es einen faszinierenden, atemberaubenden Bruch - Schönbergs 1947 entstandener "A Survivor from Warsaw", der das Grauen des Warschauer Ghettos inbekenntnishafter, komprimierter Kürze schildert. Olaf Bär in der akribisch genau notierten Sprecherpartie - das muss man erlebt haben! Wie farbenreich, wie kontrastreich er hier mit seiner Stimme umging, zwischen verzagt und gnadenlos, wie präzise und voluminös - eine unter die Haut gehende Interpretation. Der schlichte Gesang des Männerchores "SchmaYisrael"fügte sich perfekt ein. Und dann die abschließenden "Seligpreisungen" des Brahms-Requiems, außergewöhnlich kraftvoll und unverstellt im Trost.
Ein würdiges Jubiläumskonzert!
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