Singakademie Dresden

Eigenwillig, aber packend

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Konzert der Singakademie Dresden

Mareile Hanns / Dresdner Neueste Nachrichten,  24.03.2010

 
Ekkehard Klemms Faible für außergewöhnlicheProgrammzusammenstellungen, sein unbeirrbares Streben, Werke dem Vergessen zu entreißen, haben ihm und der Singakademie Dresden ein treues, stetig wachsendes und vor allem neugieriges Publikum eingebracht. Dabei kann dieses freilich auch Werken begegnen, denen kaum einSpitzenplatzin der Konzertliteratur beschieden sein wird und zu denen Ludwig van Beethovens einziges Oratorium "Christus amÖlberge" zählt, trotz der frühen Entstehungszeit 1801-03 mit der hohen Opuszahl 85 versehen. Das Oratorium behandelt die Szenen im GartenGethsemanezwischen Christi Gebet und Gefangennahme. Der Text stammt von dem damals bedeutenden Librettisten Franz Xaver Huber, ist heute aber mehr alsgewöhnungsbedürftig. Vielleicht sollte man das Werk als Zeitdokument verstehen. Am Theater anderWien engagiert, befand sich Beethoven erst auf dem Weg zum "Fidelio" und war somit beim Theaterpublikum in der Pflicht. Herausgekommen ist eine Theatermusik, die wunderschöne Passagen hat, aber eben auch viele äußerliche Effekte, heftige Kontraste und die insgesamt von kompositorischer Unausgewogenheit geprägt ist, eigenwillig in der Verknüpfurig von Solo- und Chorszenen.
Die Singakademie Dresden meisterte stimmlich kraftvoll, kontrastreich und gestalterisch intensivihren Chorpart bei der Aufführung in der Auferstehungskirche. Da gab es keinen Makel. Beispielhaft sei der wilde Sturm der Krieger "Hier ist er, der Verbannte", der sich bruchlos mit dem Chor der ängstlichen Jünger "Was soll der Lärm bedeuten" (dargeboten von den Herren des Sinusvocal) zusammenfügteund einHöhepunktwar. Und natürlich der grandiose Schlusschorjubel "Welten singen Dank und Ehre"!
Weniger glücklich war man mit den Leistungen der Solisten. Am ehesten überzeugte noch die profunde Basskraft von Hagen Erkrath in der knappen Partie des Petrus. Für die neapolitanischen Koloraturen des Seraph brachte Dorothea Winkel nicht genügend Lockerheit und Leuchtkraft mit. Auf viel, viel Kraft setzend, versuchte der Tenor KayFrenzelder heiklenTessituraderChristuswortegerecht zu werden - es blieben aber etliche Wünsche offen, auch was gestalterische Differenzierung betraf. Feine orchestrale Farbigkeit entwickelten die - verstärkten - Dresdner Kapellsolisten.
Angesichts dermusikalischenNähedes Oratoriums zum "Fidelio" warEkkehardKlemms Wahl desEingangswerkes, der 2.Leonoren-Ouvertüre, nachvollziehbar. Er ließ sie sich mit aller geballten Kraft entfalten, sinnfällig in den Kontrasten und äußerst eindringlich.
Und dann war da noch eine Merkwürdigkeit der Messliteratur - die Deutsche Messe von Franz Schubert, D 872, in der Bläserfassung, ein Jahr vor seinem Tod entstanden. Den Reformbestrebungen Joseph II. folgend, verzichtete Schubert darin auf den traditionellen lateinischen Messtext und eckte dennoch bei der kirchlichen Zensur seiner Zeit an. In ihrer berührenden Schlichtheit und Eindringlichkeit, in ihrem musikalischen Gestus spiegelt sie viel von Schuberts Wurzeln als Sohn eines Vorstadt-Lehrers und späteren Sängerknaben wider. Ekkehard Klemm und die in vorzüglicher Homogenität agierende Singakademie ließen der Messe ihre zurückhaltende Schlichtheit, wurden nicht pathetisch, sondern verließen sich auf deren natürliche, zu Herzen gehende Wirkung. Durch die - zumeist - Bläser der Staatskapelle Dresden wurde ein exzellentes, edles orchestrales Fundament gelegt.